„Marketing Automation ist wie ein V8-Motor“

Remo Girard

Interview mit Remo Girard, Team Leader Digital Business Projects bei der AMAG Import AG

Herr Girard, auf Ihrem LinkedIn-Profil bezeichnen Sie sich selbst als „Digital Marketing Nerd“ – warum?

Der Weg zum „Digital Marketing Nerd“ begann vor gut 15 Jahren, als ich meine erste Firma gegründet habe. Damals kam ich das erste Mal mit Digital Marketing und E-Business in Berührung. Meine Karriere verlief jedoch etwas anders. Ich arbeitete danach einige Jahre im Vertrieb und später im Business Development und machte meinen Diplom-Abschluss als Verkaufsleiter. Mir wurde jedoch klar, dass ich diesen Job nicht ewig machen wollte und wechselte ins Marketing. Damals war ich unter anderem für die Webseite zuständig und meine Leidenschaft für das digitale Marketing wurde entfacht. Ich fing an, viele Bücher zu lesen und machte diverse Weiterbildungen zu diesem Thema – daher das „Nerdige“. Mittlerweile arbeite ich bei der AMAG und führe ein Team im Bereich Digital Business Projects.

Ihr Vortrag widmet sich dem Thema Marketing Automation. Was sind Ihre Erfahrungen mit automatisierten Marketingkampagnen?

Vor drei Jahren fing ich als Head of Marketing und Sales in einem Start-up an, welches eine Software für ein interaktives Digital Out-of-Home-Netzwerk entwickelte. Wir suchten nach einer Lösung, wie wir unser Inventar schnell und ohne grossen Aufwand an den Kunden bringen konnten. Eine Möglichkeit sahen wir im programmatischen Bereich. Da habe ich angefangen, mich intensiver mit Marketing Automation auseinander zu setzen. Bei der AMAG haben wir 2016 begonnen, Trigger Based E-Mail-Kampagnen aufzusetzen, d.h. wir nutzen Statusmeldungen aus dem ERP-System, um E-Mails auszulösen und arbeiten an der Einführung einer Marketing Automation-Plattform (MAP). Zudem betreibe ich einen kleinen Online-Shop, in dem ich Marketing Automation implementiert habe.

Bei dem Stichwort Automation kommt bei vielen Arbeitnehmern die Angst des Stellenabbaus ins Spiel? Ist diese Angst berechtigt?

Im Gegenteil! Stellt man sich Marketing Automation wie einen Motor eines Sportwagens vor, wäre es wohl ein V8. Damit dieser funktioniert, braucht es Öl und Benzin. Bekanntlich ist der Benzinverbrauch eines V8 enorm. Im Falle der Marketing Automation entspricht das Öl den Daten und das Benzin dem Content. Je mehr Kampagnen umgesetzt werden und je personalisierter man den Kunden ansprechen möchte, desto mehr Content wird benötigt. Zudem kommen weitere neue Aufgaben und Funktionen dazu, die es so in einer klassischen Marketingabteilung bis jetzt noch nicht gab.

Ein Unternehmen hat mit automatisiertem Marketing noch rein gar nichts am Hut, möchte seine Prozesse aber so schnell wie möglich automatisieren. Welche Schritte sind hierfür nötig? Und gibt es einen realistischen Zeitrahmen für die Umsetzung?

Marketing Automation ist ein Change-Prozess, den man nicht von heute auf morgen umsetzen kann. Es ist vor allem ein People Business, es muss also geprüft werden, ob eine Marketingabteilung überhaupt in der Lage ist, Marketing Automation zu betreiben. Folgende Fragen gilt es dabei zu beantworten: Was möchte man mit MAP erreichen? Welches Know-how ist vorhanden? Welche Fähigkeiten braucht ein Marketeer? Wir stark möchte man MAP in die bestehende IT-Infrastruktur integrieren? Usw.

Ein pauschales Vorgehen gibt es nicht. In der AMAG haben wir jedoch folgende Schritte gewählt:

  1. Maturitätsanalyse
  2. Erarbeitung eines Lastenhefts (Anforderungen) und Business-Plans (inkl. Roadmap)
  3. Evaluation der Plattform
  4. Implementierung und Integration
  5. Ausbildung und Training

Es ist zu empfehlen, mit kleinen und einfachen Kampagnen zu beginnen und dann sukzessive den Funktionsumfang zu erweitern. Erste Kampagnen können bereits nach kurzer Zeit umgesetzt werden. Bis man jedoch den vollen Funktionsumfang einer Plattform nutzen wird, können Monate, wenn nicht sogar Jahre vergehen. Man muss sich dabei auch bewusst sein, dass der Erfolg erst nach einer gewissen Zeit ersichtlich wird.

Was dürfen die Besucher von Ihrem Vortrag erwarten? Was wollen Sie Ihren Zuhörern an der SOM mit auf den Weg geben?

In meinem Vortrag möchte ich vor allem zeigen, welche Herausforderungen es in diesem Change Prozess zu bewältigen gibt und welche Erfahrungen wir gesammelt haben. Weiter sollen die Zuhörer danach wissen, wie man ein solches Projekt angehen kann.

Sponsoren


Medienpartner