„Die digitale Transformation ist zwar ein sehr komplexes Thema, aber bietet auch kleinsten Unternehmen die Chance, sofort erfolgreich zu werden.“

Stefano Santinelli

Interview mit Stefano Santinelli, Geschäftsführer localsearch (Swisscom Directories AG)

 

 

 

2017 hat localsearch gemeinsam mit der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ) eine Studie zum Thema „Digital Switzerland“ durchgeführt, an der knapp 1.300 Unternehmen teilnahmen. Das Ergebnis war, dass die grosse Mehrheit der Schweizer KMU Nachholbedarf in puncto digitale Transformation hat. Wie hat sich der Markt seit der Online-Befragung entwickelt? Zählen insbesondere Mikrounternehmen immer noch zu den „digitalen Dinosauriern“?

Seit Durchführung der Studie 2017 hat sich der Markt kaum weiterentwickelt. Das ist aber auch nicht erstaunlich, weil das Thema sehr komplex ist. Der digitale Graben zwischen den Grossunternehmen und den KMU wird dadurch immer grösser. In den USA sind die Auswirkungen davon bereits sichtbar. Amazon hat im Retail-Bereich die kleinen Händler aus dem Markt verdrängt. Allein im letzten Jahr wurden über 50.000 Niederlassungen geschlossen. Dieses Szenario ist auch für die Schweiz wahrscheinlich, wenn die Schweizer KMU – vor allem die Mikrounternehmen – sich nicht weiterentwickeln. Dafür braucht es aber auch passende Angebote. Bis jetzt sind praktisch keine digitalen Lösungen für Kleinstunternehmen mit 1 bis 9 Mitarbeitenden verfügbar. Es gibt kaum Dienstleister, die vor Ort beim KMU vorbeigehen, die Situation analysieren und dann eine Strategie definieren und Lösungen vorschlagen, die für Kleinunternehmen auch bezahlbar sind. Deswegen tun sich insbesondere kleine Firmen in der Digitalisierung sehr schwer.

Welches sind aktuell die grössten Herausforderungen für kleine und mittelständische Unternehmen, um im digitalen Wettbewerb zu bestehen?

Den Unternehmen fehlt es zum einen an Fachwissen. Digitalisierung ist ein sehr komplexes Umfeld. Es ist ein undurchschaubarer Dschungel an Angeboten und Plattformen, in dem man sich zurechtfinden muss. Zum anderen haben Mikrounternehmen oftmals nicht genügend Zeit, sich damit zu beschäftigen, weil sie sich primär um ihre Kunden kümmern müssen. Letztlich fehlt es aber auch an Dienstleistungen, die bezahlbar und für KMU massgeschneidert sind.

Welche Online-Marketing-Massnahmen eignen sich für KMU besonders gut?

Das Paradoxe an der Schweiz ist, dass die KMU noch nicht so richtig digitalisiert, die Konsumenten aber im europäischen Vergleich in der Nutzung digitaler Medien führend sind. Die Bevölkerung in der Schweiz informiert sich online, vergleicht online, bucht online, kauft online. KMU müssen als erstes sicherstellen, dass sie online gefunden werden. Dazu müssen sie heute auf allen relevanten Plattformen präsent sein – von Suchmaschinen über

Social Media Plattformen bis zu Bewertungsportalen und Karten- und Navigationsdiensten. Ausserdem braucht es eine Webseite, die für mobile Geräte und für Suchmaschinen optimiert ist. Dann können KMU dazu übergehen, online neue Kunden zu gewinnen. Gerade in sozialen Medien lassen sich kostengünstig zielgruppenspezifische Marketing-Kampagnen umsetzen. Und schlussendlich bieten digitale Lösungen natürlich auch ausgezeichnete Möglichkeiten, um die Kunden mit Rabattgutscheinen, SMS-Terminerinnerungen oder einem Newsletter langfristig an das Unternehmen zu binden.

Welche digitalen Strategien verfolgt Ihre eigene Firma, um langfristige Kundenbindung zu erreichen?

Natürlich nutzen wir die Möglichkeiten des Online-Marketings auch bei localsearch. Was uns aber im Markt auszeichnet, ist die Präsenz vor Ort. Wir gehen bei jedem KMU der Schweiz vorbei und beraten unsere Kundinnen und Kunden persönlich und individuell vor Ort. Dabei bieten wir Lösungen zu einem guten Preis-Leistungsverhältnis, die nach unten skalieren. Unsere Dienstleistungen fangen bei 500 Franken an. Wir schliessen die Nachfragelücke mit einem ganz neuen Produktportfolio und können unsere Kunden umfassend betreuen: von der Online-Präsenz über die Kundengewinnung bis hin zur Kundenbindung.

Herr Santinelli, wie wurden Sie zum Internet-Spezialisten und Experten der digitalen Transformation? Was fasziniert Sie an diesem Thema besonders?

Ich hatte das Glück, dass ich selbst als Unternehmer tätig sein durfte und zwei Firmen im Online-Bereich mitaufgebaut habe. Dabei lernt man extrem viel – learning-by-doing sozusagen. Anschliessend wechselte ich zu Grossunternehmen. Bei Microsoft hatte ich 16 Jahre lang die Verantwortung für die neuen, digitalen Geschäftsmodelle. Und dann bei Swisscom genau das gleiche. In den Konzernen konnte ich sehr viele Erfahrungen sammeln und lernen. Schlussendlich bin ich aber auch persönlich ein absoluter Technologie-Enthusiast. Ich bin sehr neugierig und probiere alles aus: von Drohnen, über Apps bis hin zu Spracheingabesystemen wie Alexa.

Welche Key Learnings möchten Sie den Zuhörern Ihres Vortrags auf der SOM mit auf den Weg geben?

Erstens: Digitalisierung ist zentral für das Überleben der Schweizer KMU und bietet gleichzeitig ganz neue Möglichkeiten, Kunden zu gewinnen und diese langfristig ans Unternehmen zu binden.

Zweitens: Keiner ist zu klein. Das Schöne in der digitalen Welt ist, dass dank der Technologie auch kleinste Unternehmen genauso viel erreichen können wie grosse Konzerne. Ein Schreiner kann genauso wie ein Grossunternehmen eine professionelle Webseite aufbauen und wirksame Online-Marketing-Kampagnen durchführen.

Drittens: Die Digitalisierung ist ein sehr komplexes, schwieriges und unüberschaubares Feld. Aber es gibt Lösungen, die funktionieren, und Partner wie z.B. localsearch, die KMU auf dem Weg der digitalen Transformation begleiten und unterstützen.

 

 

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